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Dramasucht, Grübelzwang & Gedankenkarussell

Aktualisiert: 9. Dez. 2022

Wer mag denn schon Drama?! Eigentlich niemand, oder?


Aber dennoch, kennst du das sicherlich auch:

  • Du grübelst stundenlang über eine zurückliegende Situation nach - wie du dich anders (vermeintlich besser) hättest verhalten hättest sollen? Und mit jedem Mal kommt dir dein eigenes Verhalten schlimmer und lächerlicher vor?

  • Du regst dich tage-, wochen-, monatelang über eine Situation auf? Du durchlebst diese Situation immer und immer wieder. Erzählst jedem, der es hören will (oder auch nicht 😉) davon? Und mit jedem Erzählen ärgerst du dich noch ein bisschen mehr?

Gerade wir hochsensiblen Frauen tendieren ja zu diesen sogenannten Gedankenkarussells, was unserer

  • intensiven Wahrnehmung ("Der hat aber ganz komisch geguckt!", "Ich habe doch gespürt, dass irgendetwas nicht in Ordnung war!"),

  • unserer tiefen Verarbeitung (wir wollen alles verstehen, einordnen, erklären und analysieren) und

  • emotionalen Intensität ("Das hat mich so verletzt", "Das hat mir so unglaublich leid getan!")

geschuldet ist.



Vielleicht kennst du auch all die guten Ratschläge, doch einfach damit aufzuhören!? Lenke dich mal ab oder stell dich nicht so an? Irgendwann musst du ja mal darüber hinwegkommen!


Komm doch einfach raus, aus diesem Gedankenkarussell!

Warum ist das nicht so einfach? Aus dem einfachen Grund: Weil du süchtig nach Drama bist! Und das meine ich wortwörtlich!


Lass es mich erklären: Du bist in einer Situation, die bei dir eine Stressreaktion auslöst (d.h. biochemische Stoffe, also Stresshormone zirkulieren durch deinen Körper) und indem du diese Situation immer und immer wieder durchkaust (weil dein Verstand sie verstehen und erklären will), kommen noch mehr Stresshormone dazu. Dein Nervensystem kann nämlich nicht unterscheiden, ob die Situation gerade jetzt oder vor einem halben Jahr stattgefunden hat und reagiert deshalb fast genauso, als würdest du die Situation jetzt nochmal erleben.


An diesen Cocktail aus Stresshormonen gewöhnt sich der Körper. Und wird mit der Zeit süchtig danach (auf biochemischer Ebene). Körper und Nervensystem empfinden diesen Stresszustand dann als Normalzustand und jegliche Abweichung davon gilt als Gefahr und versetzt das Nervensystem noch mehr in den Alarmmodus.


Wenn du dann versuchst, zu schnell - quasi von 0 auf 100 - etwas zu verändern, z.B. dich aktiv zu entspannen, zu meditieren, das sinnbildliche Stoppschild hochzuhalten und dein Grübeln mit viel Disziplin und Ablenkung zu unterbrechen, dann bedeutet das auf körperlicher Ebene Entzug. Da dein Körper an die Stresshormone gewöhnt ist, will er seinen chemischen Cocktail wieder haben!


Du bist tatsächlich süchtig nach Drama!

Um diesen chemischen Cocktail wiederzubekommen, bringt dich dein Nervensystem dazu, irgendetwas zu tun, um dich wieder in Stress zu versetzen. Dieser Prozess findet völlig fremdgesteuert durch dein autonomes Nervensystem statt. Mit deinem bewussten Verstand kannst du ihn nicht steuern. Und am einfachsten geht das, indem du wieder anfängst, zu grübeln, deine Geschichten wieder zelebrierst, verfestigst, ausschmückst, allen erzählst. Dich wieder und wieder in diese Situationen hineinversetzt. Du kommst einfach nicht davon los!


Und die Lösung?

Wie kommst du weg von der Dramasucht und kannst dein Nervensystem regulieren und auf ein entspannteres Basis-Level bringen??


Der Entwöhnungsprozess sollte möglichst langsam und achtsam stattfinden. Zu große und schnelle Schritte werfen dich in deinem Prozess vielleicht sogar zurück, weil dein Nervensystem nicht in der Lage ist, sie zu halten. Sei geduldig mit dir!


Wenn du deinen Körper verändern willst und anfängst, mit Gewichten zu trainieren, beginnst du auch erstmal mit einem kleinen Gewicht. Du erhöhst die Wiederholungen und erst, wenn du damit gut klarkommst, steigerst du das Gewicht. Und genauso gehen wir auch bei der Nervensystemregulierung im Neuro-Embodiment Coaching vor.


Schritt für Schritt wird dein Nervensystem in die Regulation geführt. Wenn du anfängst, dich und deine Körperempfindungen erstmal nur zu spüren, kannst du bald dazu übergehen, sie auszuhalten, da sein zu lassen, ihnen Raum zu geben. Das wiederum aktiviert deinen Parasympathikus (einen entspannten, gelassenen Zustand), der es dir möglich macht, einen Schritt weitergehen und eine neue Perspektive einnehmen. Das, was bisher vielleicht abgelehnt wurde, wird nun mit neuen Augen betrachtet. Was vorher als bedrohlich oder als Katastrophe empfunden wurde, wird jetzt vollkommen anders wahrgenommen!


Diese neue Wahrnehmung entsteht allein dadurch, dass im Nervensystem ein anderer (Seins-)Zustand vorherrscht.


Der nächste Schritt wäre, diesen Zustand zu nähren und mit regelmäßiger Praxis aufrechtzuerhalten.