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ADHS & Nervensystem. Warum Selbstdisziplin oft nach hinten losgeht.

„Du musst einfach konsequenter sein. „Mehr Struktur, mehr Routinen, weniger Ablenkung.“ „Wenn du dich nur genug zusammenreißt, klappt das schon.“

Viele Frauen mit ADHS haben diese Sätze nicht nur gehört – sie haben sie verinnerlicht. Und sie haben es versucht. Mit To-Do-Listen. Bullet Journals. Morgenroutinen. Selbstoptimierungs-Challenges.


Und trotzdem passiert irgendwann dasselbe: Ein paar Wochen läuft es gut. Dann bricht alles ein. Und am Ende bleibt die Frage: Warum kriege ich das nicht dauerhaft hin?

Die ehrliche Antwort ist unbequem, aber auch entlastend:

Weil ADHS kein Disziplinproblem ist. Es ist ein Nervensystem-Thema.



ADHS ist keine Willensschwäche


ADHS bedeutet nicht, dass du zu wenig willst. Sondern dass dein Gehirn und dein Nervensystem anders regulieren.


Typisch sind:

  • schwankende Aufmerksamkeit

  • ungleichmäßige Motivation

  • impulsive Aktivierung

  • Phasen von Hyperfokus

  • Phasen von Erschöpfung oder innerer Leere


Das Entscheidende: Diese Zustände sind nicht moralisch. Sie sind neurobiologisch.


Bei ADHS ist unter anderem die Dopaminregulation anders organisiert. Motivation entsteht nicht gleichmäßig, sondern sprunghaft. Das bedeutet: Du kannst an einem Tag extrem fokussiert und produktiv sein und am nächsten wirkt dieselbe Aufgabe unüberwindbar.


Selbstdisziplin setzt jedoch eine gewisse Konstanz voraus. Und das ist mit ADHS nicht möglich.


Wenn Disziplin zur Daueranspannung wird


Was passiert, wenn man versucht, ein inkonsistent reguliertes Nervensystem mit Disziplin zu zwingen?


Kurzfristig:

✔ Struktur

✔ Fokus

✔ das Gefühl von Kontrolle


Langfristig:

✖ innere Anspannung

✖ Erschöpfung

✖ Schuldgefühle

✖ erneuter Zusammenbruch


Denn Disziplin funktioniert bei ADHS häufig über Stressaktivierung. Das Nervensystem geht in einen leichten Alarmmodus, um Leistung abrufbar zu machen. Du „reißt dich zusammen“, du ziehst durch und du funktionierst. Aber das kostet dich Energie – viel Energie.


Warum es sich trotzdem manchmal gut anfühlt


Viele Frauen mit ADHS kennen diese Phasen: Plötzlich ist alles klar. Motivation ist da. Ideen fließen. Aufgaben werden abgearbeitet. Man fühlt sich endlich „normal“.


Oft ist das ein Zustand aus:

  • erhöhtem Dopamin

  • Fokus

  • innerem Druck

  • Vision oder Deadline


Obwohl es sich stabil anfühlt, ist es das oft ganz und gar nicht. Denn wenn der Motor auf Stress und innerem Antreiber läuft, fehlt echte Regulation. Und sobald die Energie nachlässt, kippt das System in Erschöpfung oder Überforderung. Dann folgt der große Crash.

Das Nervensystem hinter ADHS


ADHS betrifft nicht nur Aufmerksamkeit, sondern das gesamte Stress- und Regulationssystem.


Typisch sind:

  • erhöhte Reizoffenheit

  • schnelle Aktivierung

  • Schwierigkeiten beim Runterfahren

  • Probleme beim Übergang zwischen Aufgaben

  • innere Unruhe trotz Müdigkeit


Wenn du dann zusätzlich versuchst, dich permanent zu kontrollieren, verstärkst du genau das Muster, das dich erschöpft. Mehr Disziplin bedeutet dann: mehr Spannung, mehr Selbstüberwachung und noch mehr innerer Druck. Und weniger echte Sicherheit.


Warum klassische Selbstoptimierung nicht passt


Viele Konzepte setzen auf:

  • tägliche Routinen

  • feste Zeitfenster

  • strikte Priorisierung

  • klare Leistungsziele


Das kann hilfreich sein, aber nur, wenn es das Nervensystem unterstützt und dir ständige Entscheidungen abnimmt. Aber nicht, wenn es dein Nervensystem nur noch mehr überfordert, weil da plötzlich noch mehr ist, was du beachten musst.


Ein ADHS-Nervensystem braucht oft:

  • Flexibilität statt Starrheit

  • Rhythmus statt rigider Struktur

  • Reizmanagement statt Willenskraft

  • echte Pausen statt „Belohnung nach Leistung“


Der Perspektivwechsel: Nicht mehr Disziplin – sondern mehr Regulation


Die entscheidende Frage ist nicht: Wie werde ich konsequenter?

Sondern: Wie kann mein Nervensystem überhaupt stabil genug sein, um Aufgaben umzusetzen?


Das bedeutet konkret:

  • Reizreduktion im Alltag

  • realistische Planung (weniger, nicht mehr)

  • Übergänge bewusst gestalten

  • Körperzustände wahrnehmen

  • Hyperfokus nicht glorifizieren

  • Erschöpfung ernst nehmen


Und manchmal auch: medikamentöse Unterstützung in Erwägung ziehen, wenn die Belastung hoch ist. Denn bei einem bestimmten Grad an ADHS kann Regulation ohne Unterstützung dauerhaft kaum gelingen.


Disziplin ersetzt keine Sicherheit


Ein reguliertes Nervensystem kann leisten, ohne sich dabei permanent zu überfordern. Es kann Pausen zulassen und Fehler tolerieren. Es kann zwischen Aktivität und Ruhe wechseln.

Disziplin kann kurzfristig Ordnung schaffen, aber Regulation schafft langfristig Stabilität.


Und für viele neurodivergente Frauen beginnt der Wendepunkt genau hier: Nicht noch härter an sich zu arbeiten, sondern das eigene System besser zu verstehen.

Wenn Selbstdisziplin bei dir immer wieder nach hinten losgeht, ist das kein persönliches Versagen, sondern ein Hinweis. Dein Nervensystem braucht keine strengere Führung, sondern bessere Bedingungen.


Und manchmal ist genau das der erste Schritt raus aus dem ständigen Kreislauf aus Hochphase, Einbruch und Selbstkritik. 🤍


Wenn du tiefer verstehen möchtest, wie ADHS und Nervensystem zusammenhängen, findest du auf meinem Blog weitere Artikel rund um Regulation, Erschöpfung und neurodivergente Bedürfnisse.

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Nina Payer | Coaching

Psychologische Beraterin & Personal Coach

Fachberaterin für Hochsensibilität

Nervensystem Coach (NESC)

Hypnose-Coach

Entspannungstherapeutin

© 2025 Nina Payer Coaching

Körperorientiertes Nervensystem-Coaching & Hypnose Coaching

Online & in Präsenz in Cölbe bei Marburg für den

Raum Marburg-Biedenkopf, Gießen und Umgebung.

Praxisräume:

Fliederweg 6, 35091 Cölbe

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