Frauen & ADHS: Wenn Leistung zur Überlebensstrategie wurde
- Nina Payer

- vor 12 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Es wirkt auf andere oft beeindruckend: wie du „alles schaffst“, alles im Blick hast, zuverlässig funktionierst, dich anpasst, präsent bist. Vielleicht sogar mit einem Lächeln im Gesicht. Innerlich aber bist du erschöpft. Du bist müde davon, immer zu funktionieren und trotzdem das Gefühl zu haben, nie genug zu sein.
Viele Frauen mit später ADHS-Diagnose berichten genau davon: Leistung war für sie keine Option, sondern Überlebensstrategie. Und das Nervensystem hat gelernt, sich über Jahre, oft Jahrzehnte, so zu organisieren, dass es irgendwie weitergeht. Auf Kosten der eigenen Grenzen.

Die stille Strategie: Leistung statt Regulation
Wenn man als Kind ständig aneckt, zu laut, zu wild, zu verträumt ist – wenn Reize zu viel werden, Emotionen zu groß sind und das eigene Tempo nicht ins System passt – dann sucht man Strategien, um zu überleben.
Für viele Frauen mit unerkannter ADHS hieß das:
→ sich anpassen bzw. überanpassen
→ alles kontrollieren, perfektionieren
→ „gut sein“ – in der Schule, im Job, in der Familie
→ alles geben, nichts brauchen
Was nach außen wie Stärke wirkt, ist oft: ein Nervensystem im Dauerstress, das gelernt hat, durch Leistung Sicherheit herzustellen. Denn: Sicherheit war nie einfach da, sie musste erarbeitet werden.
Warum ADHS bei Frauen so oft übersehen wird
ADHS wurde jahrzehntelang vor allem bei Jungen diagnostiziert – in der klassischen, hyperaktiven Form. Viele Frauen, vor allem im unauffälligen, innerlich getriebenen „Inattentive-Typ“, fielen durchs Raster. Sie galten als hochsensibel, verträumt, emotional – oder eben als besonders engagiert, hilfsbereit, ehrgeizig.
Dass sich dahinter ein überreiztes, überfordertes Nervensystem verstecken könnte, kam selten jemandem in den Sinn. Auch nicht den Betroffenen selbst.
Und so ging das Leben weiter mit:
sozialen Ängsten („Was denken die anderen?“)
chronischem Overthinking
ständiger Selbstkritik
innerer Unruhe
und der ständigen Überzeugung: Ich muss mich nur mehr anstrengen.
Wenn das System zusammenbricht: Der Preis der Überanpassung
Viele dieser Frauen kommen irgendwann an einen Punkt, an dem nichts mehr geht: Ein Burnout, eine Depression, körperliche Symptome, Angststörungen oder schlicht eine tiefe Erschöpfung.
Denn Leistung kann eine Zeit lang kompensieren. Aber sie ersetzt keine echte Selbstregulation.
Und dann beginnt eine andere Suche: Nach der Ursache. Nach einem neuen Weg. Nach einem Verständnis, das nicht abwertet, sondern erklärt.
Die Diagnose als Schock UND Erleichterung
Eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter kann vieles auslösen. Scham. Wut. Trauer. Aber auch: Erleichterung. Endlich eine Sprache für das, was immer „irgendwie anders“ war. Ein Erkennen, dass du nicht kaputt bist, sondern dein System einfach anders funktioniert.
Und dass es nicht dein persönliches Versagen ist, wenn To-Do-Listen dich nicht regulieren, Meditation dich stresst und du nach drei Wochen neuer Morgenroutine doch wieder im Chaos landest.
Leistung ersetzt keine Sicherheit
Die gute Nachricht: Dein Nervensystem ist nicht kaputt. Es hat überlebt. Es war klug. Es hat dich getragen, auch wenn der Preis hoch war. Aber jetzt darfst du lernen, auf einem anderen Weg Sicherheit zu finden.
Regulation heißt nicht, „ruhiger“ oder „leistungsfähiger“ zu werden. Es heißt:
dich selbst besser zu spüren
deine inneren Grenzen zu erkennen
deinen Alltag an dein Nervensystem anzupassen
dein Tempo zu ehren, auch wenn es langsamer ist
und all das nicht allein zu machen.
Was jetzt hilft: Ein neuer Umgang mit dir selbst
Viele Frauen mit später ADHS-Diagnose kommen zu mir, weil sie spüren: Ich will nicht nochmal versuchen, funktionieren zu lernen. Ich will lernen, mich selbst zu verstehen und mit meinem Nervensystem zu leben.
Im Coaching geht es nicht um Tools oder Disziplin. Sondern darum:
alte Stressmuster zu entladen
dein Nervensystem in Sicherheit zu bringen
inneren Antreibern auf die Spur zu kommen
mit dir selbst in Beziehung zu gehen
Du musst nicht beweisen, dass du zurecht hier bist
Wenn du lange mit der Angst gelebt hast, „zu viel“ zu sein – zu laut, zu emotional, zu empfindlich – oder nicht genug: Nicht strukturiert genug. Nicht zuverlässig genug. Nicht leistungsfähig genug …… dann war das keine Schwäche. Es war dein Versuch, dich anzupassen, in einem System, das nie für dich gemacht war.
Jetzt darfst du ein anderes System kennenlernen: Dein eigenes. Und ihm Schritt für Schritt begegnen. Ohne Druck. Ohne Bewertung. Ohne Leistungsanspruch.
Neugierig geworden?
Wenn du dich in diesem Text wiederfindest, lies gerne weiter in meinem Blog – z. B. „Warum dein Nervensystem nicht kaputt ist – sondern klug“ oder „Bin ich neurodivergent – oder einfach erschöpft?“.
Auf meiner Website findest du außerdem mehr zu meiner körperorientierten Arbeit mit dem Nervensystem – ganz ohne Leistungsdruck. 👉 www.ninapayer.de





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