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Wie ich wurde, was ich bin: Mein Weg zum Coach für hochsensible Frauen

Es hat lange gedauert, meinen eigenen Weg zu finden, meine eigene Hochsensibilität zu verstehen und anzunehmen. Es gab viele Höhen und Tiefen, aber letztendlich waren alle Stationen in meinem Leben notwendig, um heute an diesem Punkt stehen zu können und andere hochsensiblen Frauen bei ihrer Reise zu unterstützen. Willst du wissen, wie es dazu kam?


Die 80er Jahre. Ein seltsames Kind, so still und schüchtern!

Schon als kleines Kind hatte ich eine starke Wahrnehmung. Ich saugte alle möglichen Reize in meiner Umgebung auf und nahm vieles wahr, was andere Kinder offensichtlich nicht bemerkten. Das führte dazu, dass ich schnell überfordert, aber auch schnell verängstigt war. Der Kindergarten war für mich extrem anstrengend! So viele Geräusche, Farben, tausend Dinge um mich herum, so viele Möglichkeiten zum Spielen, so viele andere Kinder und Stimmungen... puh! Tatsächlich ging ich erst im letzten Kindergartenjahr gerne hin, war aber trotzdem immer noch am liebsten Zuhause bei meinen Puppen und meinen Hörspielkassetten.


Was die kleine Nina aber schon hervorragend konnte, war beobachten und zuhören! Bei Familienfeiern oder anderen Festlichkeiten konnte ich stundenlang auf meinem Platz sitzen, die Menschen um mich herum beobachten und den verschiedenen Gesprächen lauschen. Mein Interesse und meine Neugier, warum jemand so ist, wie er ist, begann tatsächlich schon damals. Wahrscheinlich habe ich auch deshalb die guten alten Krimiserien der 80er so geliebt und verschlungen.

Kleines blöndes Mädchen wird von anderem Kind umarmt und fühlt sich unwohl.
1983 Auch damals schon schnell überfordert, wenn es zu viel wurde.

Die 90er Jahre.

Von Hochsensibilität ahnte damals natürlich noch niemand etwas. Ich war halt einfach viel zu ruhig, zu empfindlich, nicht normal, komisch... Das wurde mir direkt und indirekt von der Familie, den Lehrern und anderen Kindern & Jugendlichen auch so gesagt und natürlich glaubte ich auch irgendwann, dass mit mir irgendetwas nicht richtig sei.


Was mir sehr geholfen hat, war, dass ich zwar nie viele Freunde, aber immer mindestens eine beste Freundin hatte in dieser Zeit. Das hat mir auch völlig ausgereicht. Denn ich war immer noch auch sehr gerne allein mit mir selber. Ich spürte damals schon instinktiv, dass ich diese Zeit für mich brauche, um für den Alltag da draußen meine Energien aufzutanken. Ich hatte auch später kaum Lust auf laute Partys und viele Leute, widmete mich lieber meinen ruhigeren Hobbys und liebte es schon damals, mit guten Freundinnen seitenlange Briefe auszutauschen.


1999. Was soll nur aus mir werden?

Mit dem Abitur in der Tasche ging es nun um die Frage: Was will ich mal werden? Ich interessierte mich für viele Berufe: Hebamme, MTA, Erzieherin, Sozialarbeiterin... und Psychologin. Rückblickend waren das alles Berufe, wo man eng mit Menschen arbeitet. Aber konnte ich das überhaupt? Wo ich doch so schüchtern war und die meisten Menschen mich doch komisch fanden? Also machte ich lieber etwas "Handfestes" und wurde Fremdsprachensekretärin, denn Sprachen konnte ich ganz gut und für andere Länder und Kulturen interessierte ich mich auch sehr. Dazu wurde mir auch noch ein großzügiges Gehalt versprochen. Das könnte vielleicht was für mich sein!


Die 2000er Jahre. Am falschen Ort.

Wo war ich denn hier gelandet? Internationale Wirtschaftskanzlei in Frankfurt, Abteilung Finanzrecht. Ein extrem karriereorientiertes Umfeld mit Umgangsregeln, die ich offensichtlich nicht verstanden habe. Ständig schien ich in Fettnäpfchen zu treten und kam mir vor, wie ein Alien. Was stimmte mit mir nicht, dass ich dort in diesem Umfeld einfach nicht klarkam und völlig überfordert war? Die Arbeit an sich war nicht das Problem, abgesehen davon, dass ich sie todlangweilig fand. Aber warum schien ich die unausgesprochenen Regeln dieses Umfelds nicht zu verstehen, wenn ich doch eigentlich sehr viel auf- und wahrnehme?! Heute weiß ich, dass ich einfach an einem Ort gelandet war, wo ich überhaupt nicht hingehört habe. Dass ich die Werte und Regeln, die dort geherrscht haben, einfach nicht teile. Dass das da einfach überhaupt nicht mein Ding war.

Frau steht im Yosemite Park vor Gebirge im Hintergrund.
2007 im Yosemite Park während unserer USA Rundreise.

2009. Mutterschaft und Krise.

Und dann wurde ich Mama. Nachdem meine erste Schwangerschaft leider nicht erfolgreich verlief, kam 2009 erst meine Tochter und drei Jahre später mein Sohn zur Welt. Diese letzte Schwangerschaft war geprägt von vielen körperlichen Beschwerden und viel Angst. Vielleicht war es Intuition oder doch nur eine selbsterfüllende Prophezeiung, jedenfalls war die Geburt sehr dramatisch und traumatisch. Wir hatten beide viel beschäftigte Schutzengel. Und dann saß ich da, mit zwei kleinen Kindern, die viel forderten und einem aus den Fugen geratenen Nervensystem. Totale Überforderung und Erschöpfung. Keine Zeit zum Ausruhen. Und wieder viel Angst. Rückblickend hatte ich wohl eine Wochenbettdepression, die eine leichte Angststörung ausgelöst hat, aber zum Glück hatte ich eine tolle Hebamme, die mich super unterstützt hat.


2012. Erste kleine Schritte zum wahren Ich.

Meine Hebamme war es auch, die mich mit einer Freundin von ihr bekannt machte, die als Gestalttherapeutin arbeitete. Mit ihr hatte ich mehrere Sitzungen und dies war dann auch der Start meiner Persönlichkeitsentwicklung. Ich erkannte, wie extrem konditioniert ich war und dass ich mich mein Leben lang immer versucht hatte, anzupassen und mitzuhalten, obwohl meine (hochsensible) Persönlichkeit dafür gar nicht gemacht war. Alles, was ich tat und dachte, wurde von mir immer und ständig unbewusst auf richtig und falsch überprüft, aber letztendlich fühlte sich gar nichts richtig an! Das musste sich ändern!


2016. Ein neuer Weg.

Wie sollte es nun beruflich für mich weitergehen? Zurück ins Büro wollte ich nicht. Durch Zufall (oder Fügung?) stieß ich auf den Beruf der Mütterpflegerin und war begeistert! Eine Mütterpflegerin hätte ich selber so dringend gebraucht und nach kurzer Überlegung meldete ich mich für die einjährige Ausbildung an. Die folgende Ausbildungszeit gehörte zu den schönsten Zeiten in meinem Leben. Ich lernte so viel über mich selbst, traf auf ganz tolle Frauen und machte riesen Schritte in meiner persönlichen Entwicklung. Und plötzlich war meine Hochsensibilität, die in meinem bisherigen Arbeitsleben immer als Schwäche galt, meine absolute Stärke!