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„Jetzt nimm mir das nicht wieder weg!" -Warum viele hochsensible Frauen bei Neurodivergenz sofort abblocken.

Du erinnerst dich vielleicht noch an den Moment, in dem du zum ersten Mal über Hochsensibilität gelesen hast. Oder ihn gehört hast, in einem Podcast, einem Gespräch, einem Artikel. Und plötzlich war da dieses Gefühl: Ah. Das bin ich. Das erklärt so vieles.



Endlich ein Wort dafür


Es ist schwer zu beschreiben, wie erleichternd es ist, wenn man nach Jahren des „Du bist halt so sensibel" plötzlich einen Rahmen hat. Einen Begriff. Eine Erklärung, die nicht bedeutet, dass etwas mit einem nicht stimmt, sondern dass man einfach anders verdrahtet ist.

Nicht falsch. Nicht zu viel. Nicht kaputt.


Und dann liest man weiter und merkt: Hochsensible Menschen haben sogar Stärken, die andere nicht haben. Tiefe Empathie, feines Gespür, die Fähigkeit, Dinge wahrzunehmen, die anderen entgehen. Man fühlt sich zum ersten Mal nicht wie der letzte Idiot im Raum, sondern wie jemand, der einfach eine andere Frequenz hat.


Das ist keine Kleinigkeit. Das kann Jahre von Selbstzweifeln ein Stück weit auflösen. Und das verdient Respekt.


Und dann kommt jemand und sagt: Da steckt vielleicht noch mehr dahinter.


Neurodivergenz. ADHS. Autismus-Spektrum. Und sofort ist da dieser Widerstand. Dieser innere Aufschrei: Ich bin doch nicht krank! Ich habe mich gerade erst gefunden, und jetzt willst du mir das wieder wegnehmen? Das klingt nach Störung. Nach Krankheit. Nach noch mehr Kategorien, in die ich nicht passe.


Ich kenne dieses Gefühl sehr gut, denn ich hatte es selbst.


Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich ADHS haben könnte. Ich doch nicht. Ich war nie hyperaktiv, nie laut, nie das Kind, das im Unterricht reingerufen hat. Ich war sehr ruhig, verträumt, manchmal schusselig. Unkonzentriert. Vergesslich. Manche Dinge gingen einfach nicht in meinen Kopf. Aber ADHS? Das sind doch die kleinen Jungs, die nicht stillsitzen können. Das hat doch mit mir nichts zu tun. Und so dachte ich echt lange.


Warum Frauen so oft durchs Raster fallen


Das Problem ist, dass das öffentliche Bild von ADHS und Autismus-Spektrum nach wie vor hauptsächlich dem männlichen Erscheinungsbild entspricht. Frauen zeigen diese Muster oft ganz anders, unauffälliger nach außen, nach innen umso lauter. Sie funktionieren, passen sich an, kompensieren, und werden deshalb jahrelang nicht erkannt.


Stattdessen bekommen viele Frauen Diagnosen wie Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen oder Erschöpfungssyndrome, was nicht falsch ist, aber eben nur die halbe Geschichte erzählt. Die Komorbiditäten werden behandelt, aber nicht das, was sie eigentlich ausgelöst hat. Und so helfen viele Therapien nur bis zu einem gewissen Punkt, ohne dass irgendjemand versteht, warum.


Was mich Hochsensibilität nicht erklären konnte


Hochsensibilität hat für mich vieles erklärt. Und gleichzeitig blieben Fragen, auf die ich keine Antwort gefunden habe.


Warum war ich trotz allem so erschöpft? Warum konnte ich meinen Kopf nicht ausschalten, selbst wenn gerade gar nichts war? Warum fühlte ich mich permanent getrieben, und gleichzeitig wie festgefroren, wenn ich mit etwas anfangen sollte? Warum konnte ich mich wochenlang nicht überwinden, eine Nachricht zu beantworten, und dann wieder stundenlang in einem Thema versinken, bis ich völlig überreizt war und trotzdem nicht aufhören konnte?


Das sind keine Hochsensibilitäts-Muster. Das sind ADHS-Muster. Und das Wissen darüber hat für mich eine ganz andere Ebene von Verständnis aufgemacht, die mir Hochsensibilität alleine nicht geben konnte.


Hochsensibel und neurodivergent: kein Widerspruch


Das eine schließt das andere nicht aus. Ich bin hochsensibel und ich habe ADHS, und beides zusammen ergibt ein Bild, das endlich vollständig ist.


Das bedeutet nicht, dass jede hochsensible Frau auch neurodivergent ist. Oft ist es tatsächlich nur Hochsensibilität, und das ist eine vollständige Antwort. Aber manchmal trägt das Label nur bis zu einem gewissen Punkt, und das ist kein Zeichen dafür, dass Hochsensibilität nicht real oder nicht relevant wäre. Es ist ein Zeichen dafür, dass da vielleicht noch eine weitere Ebene darauf wartet, gesehen zu werden. 🤍


Neurodivergenz bedeutet übrigens nicht, krank oder gestört zu sein. Es bedeutet, dass das Gehirn anders funktioniert, mit eigenen Stärken, eigenen Herausforderungen und einem ganz eigenen Bedarf an Unterstützung und Umgebung. Kein Defekt. Eine andere Betriebsart.


Was sich verändert, wenn man das annehmen kann


Es brauchte seine Zeit, bis ich das wirklich annehmen konnte. Und ich sage das nicht als schöne Phrase, sondern weil es so war. Es war ein Prozess, kein Aha-Moment mit Konfetti.


Aber seitdem habe ich das Gefühl, nicht mehr nur Symptome zu managen, sondern wirklich zu verstehen, wie ich funktioniere. Was ich brauche. Warum bestimmte Dinge so viel Energie kosten, und wo ich aufgehört habe, das als Versagen zu lesen.


Und das ist ein ganz anderer Ausgangspunkt, von dem aus sich etwas verändern lässt. Nicht weil man sich optimiert, sondern weil man aufgehört hat, gegen sich selbst zu arbeiten.

Im nächsten Artikel schaue ich genauer hin, warum die Frage „Bin ich hochsensibel oder neurodivergent?" oft zu kurz greift, und was die eigentlich wichtigere Frage dahinter ist.


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Nina Payer | Coaching

Psychologische Beraterin & Personal Coach

Fachberaterin für Hochsensibilität

Nervensystem Coach (NESC)

Hypnose-Coach

Entspannungstherapeutin

© 2025 Nina Payer Coaching

Körperorientiertes Nervensystem-Coaching & Hypnose Coaching

Online & in Präsenz in Cölbe bei Marburg für den

Raum Marburg-Biedenkopf, Gießen und Umgebung.

Praxisräume:

Fliederweg 6, 35091 Cölbe

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