varfeed =newInstafeed({//...});
top of page

Das "funktionierende" Nervensystem - wie Leistung Dysregulation maskiert.

Viele Menschen kommen nicht zu mir, weil sie „zusammengebrochen“ sind. Sie kommen, weil sie funktionieren. Vielleicht zu gut...


Sie arbeiten, organisieren, denken mit, halten durch. Sie sind zuverlässig, reflektiert, leistungsfähig. Und gleichzeitig erschöpft, innerlich unruhig oder merkwürdig leer. Oft mit dem irritierenden Gefühl: Eigentlich habe ich doch alles im Griff – warum fühlt es sich trotzdem so anstrengend an?


Die Antwort liegt häufig nicht im Verhalten, sondern im Nervensystem.



Wenn Dysregulation nicht auffällt


Dysregulation wird oft mit Chaos gleichgesetzt: mit emotionalen Ausbrüchen, Kontrollverlust, Rückzug, offensichtlicher Überforderung.


Doch es gibt eine andere Form, die sehr verbreitet, sehr anerkannt ist und gesellschaftlich sogar belohnt wird: die funktionale Dysregulation.


Ein Nervensystem kann hochaktiv, angespannt und überfordert sein und trotzdem erstmal leistungsfähig bleiben. Manchmal über Jahre. Nach außen wirkt alles stabil. Innen jedoch läuft ein anderes Programm.


Leistung als Regulationsersatz


Leistung kann für das Nervensystem eine regulierende Funktion übernehmen. Nicht im Sinne von echter Regulation und Entspannung, sondern als Kompensation.

Typisch dafür sind Muster wie:

  • hohes Tempo, ständige Aktivität

  • klare Strukturen, Kontrolle, Planbarkeit

  • starkes Verantwortungsgefühl

  • Fokus auf Funktionieren statt Fühlen

  • innere Ruhe nur, wenn „alles erledigt“ ist

Solange die Leistung aufrechterhalten wird, bleibt das System scheinbar ruhig. Nicht, weil es reguliert ist, sondern weil es beschäftigt ist.


Warum sich das oft „stabil“ anfühlt

Viele beschreiben diese Phasen als:

  • „Da lief es eigentlich ganz gut“

  • „Ich war produktiv und motiviert“

  • „Besser als vorher zumindest“


Und das stimmt auch – im Vergleich zu einem offenen Zusammenbruch.


Oft handelt es sich dabei um leistungsgetragene Hochphasen: angefeuert von Motivation, Dopamin, Vision oder dem inneren Antreiber.


Das Nervensystem ist fokussiert, gebündelt, zielgerichtet. Reize werden ausgeblendet, Warnsignale übergangen. Das fühlt sich stabil an, ist es aber nicht im eigentlichen Sinn.

Denn die Organisation des Systems bleibt leistungsgetrieben. Und das kostet auf Dauer extrem viel Energie.


Der innere Antreiber wird leise – nicht entmachtet


In solchen Phasen ist der innere Antreiber oft erstaunlich ruhig. Nicht, weil er seine Macht verloren hat. Sondern weil er zufrieden mit dir ist! Die Erwartungen – von innen und außen – werden erfüllt. Du bist „gut unterwegs“. Du funktionierst. Du bist nützlich. Das gefällt dem Antreiber, er hat nichts zu meckern.


Das Nervensystem signalisiert kurzfristig Entlastung. Langfristig jedoch bleibt die Grundspannung bestehen.


Warum diese Phasen irgendwann kippen


Ein funktionierendes, aber dysreguliertes Nervensystem lebt von Ressourcen, die endlich sind.


Irgendwann:

  • lässt die Motivation nach

  • bricht der Fokus weg

  • wird der Alltag wieder zu viel

  • melden sich Körper oder Psyche


Und dann geht es oft schnell: Erschöpfung. Überforderung. Rückzug. Schuldgefühle.

Nicht selten mit dem Gedanken: Warum passiert mir das immer wieder? Was stimmt denn mit mir nicht?


Die Antwort ist unbequem, aber entlastend: Weil es vorher gar keine echte Regulation war, sondern ein gut organisierter Ausnahmezustand.


Echte Regulation fühlt sich anders an


Ein reguliertes Nervensystem ist nicht permanent leistungsfähig. Es ist flexibel.


Es kann:

  • aktiv sein und wieder runterfahren

  • sich anstrengen und sich regenerieren

  • fühlen, ohne sofort handeln zu müssen

  • Pausen zulassen, ohne Angst vor Kontrollverlust


Das fühlt sich oft weniger spektakulär an als eine Hochphase. Aber nachhaltiger. Ruhiger. Und vor allem verlässlicher.


Warum gerade neurodivergente Menschen betroffen sind


Viele neurodivergente Frauen (z. B. mit ADHS, ASS oder hoher Sensibilität) entwickeln früh leistungsbasierte Kompensationsstrategien. Nicht, weil sie besonders ehrgeizig sind, sondern weil ihr Nervensystem mehr Reize verarbeitet und schneller an Grenzen kommt.


Leistung wird dann zur Möglichkeit:

  • sich zu strukturieren

  • sich zu fokussieren

  • sich selbst zu regulieren


Solange das funktioniert, bleibt die Dysregulation unsichtbar, auch für die Betroffenen selbst.


Der Perspektivwechsel: Nicht „Warum breche ich ein?“ sondern: "Was hat mich bisher überhaupt aufrechterhalten? Und zu welchem Preis?"


Ein hilfreicher Blick ist oft nicht der auf den Zusammenbruch, sondern auf die Zeit davor.

  • Was hat dich stabil gehalten?

  • Wovon hast du gezehrt?

  • Was durftest du in dieser Phase nicht fühlen?


Es geht hierbei nicht um Selbstkritik, sondern um Verständnis.


Ein funktionierendes Nervensystem ist nicht automatisch ein reguliertes Nervensystem. Leistung kann Dysregulation lange maskieren, aber sie ersetzt keine Sicherheit.


Echte Regulation beginnt dort, wo dein System nicht mehr nur funktioniert, sondern sich auch erholen darf, ohne erst zusammenzubrechen.


Und manchmal ist genau das der leise Wendepunkt: Nicht noch besser zu funktionieren, sondern ehrlich hinzuschauen, wie du es tust und vor allem: Was es dich kostet.



Wenn dich dieses Thema berührt, findest du auf meiner Website weitere Artikel rund um Nervensystemregulation, Neurodivergenz, Erschöpfung und verkörperte Veränderung.

Vielleicht ist genau der nächste Impuls dabei, der dein System wirklich entlastet.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen

KONTAKT

Ich freue mich, von dir zu hören! 

Vielen Dank für deine Nachricht!

Nina Payer | Coaching

Psychologische Beraterin & Personal Coach

Fachberaterin für Hochsensibilität

Nervensystem Coach (NESC)

Hypnose-Coach

Entspannungstherapeutin

© 2025 Nina Payer Coaching

Körperorientiertes Nervensystem-Coaching & Hypnose Coaching

Online & in Präsenz in Cölbe bei Marburg für den

Raum Marburg-Biedenkopf, Gießen und Umgebung.

Praxisräume:

Fliederweg 6, 35091 Cölbe

  • Schwarzes Instagram-Symbol
1.png
Linkedin Sticker.png
Screenshot_20221019-200637_Chrome.jpg
Whatsapp.png
bottom of page