Vom dysregulierten zum regulierten Nervensystem – was wirklich hilft.
- Nina Payer
- 2. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Du hast alles probiert: Meditation, Journaling, Atemtechniken, Achtsamkeit, gesunde Ernährung. Aber dein System kommt trotzdem nicht zur Ruhe?
Vielleicht fühlst du dich oft innerlich gehetzt, überreizt oder erschöpft. Du weißt, was dir guttun würde – aber bekommst es nicht umgesetzt. Du fragst dich: Warum kriege ich das nicht hin? Was stimmt nicht mit mir?
Antwort: Mit dir ist nichts falsch. Aber dein Nervensystem braucht vielleicht etwas anderes als das, was gängige Tipps dir anbieten.
In diesem Artikel erfährst du,
was es mit einem dysregulierten Nervensystem auf sich hat
wie Regulation wirklich aussieht (Spoiler: nicht immer ruhig)
und warum dein Körper zuerst Sicherheit braucht, nicht Disziplin.

Was bedeutet eigentlich „dysreguliert“?
Ein dysreguliertes Nervensystem ist nicht „kaputt“, sondern einfach dauerhaft im Überlebensmodus.Das kann sich so anfühlen:
Du bist ständig in Alarmbereitschaft, innerlich angespannt, wachsam, reizoffen.
Du kippst immer wieder in Erschöpfung, Shutdown oder Rückzug.
Du reagierst „unverhältnismäßig stark“ auf Kleinigkeiten (emotional, körperlich).
Du kannst nicht abschalten, selbst, wenn du dir Ruhe gönnst.
Oft steckt hinter diesen Zuständen eine alte Überforderung, die sich im Nervensystem gespeichert hat. Das bedeutet nicht, dass du überempfindlich bist, sondern dass dein System gelernt hat, vorsichtig zu sein.
Regulation ist nicht gleich Ruhe
Viele denken bei „Nervensystem regulieren“ an:
💫 tiefe Entspannung
💫 kein Stress mehr
💫 Ruhe, Fokus, Gleichgewicht.
Doch echte Regulation heißt vor allem: Flexibilität.
Ein reguliertes Nervensystem kann:
von Aktivierung in Ruhe wechseln (und umgekehrt)
in sozialen Kontakt gehen und sich abgrenzen
eine Herausforderung meistern und danach regenerieren
Regulation ist also nicht das Vermeiden von Stress, sondern die Fähigkeit, damit umzugehen und wieder in Balance zu finden.
Was viele versuchen und warum es oft nicht reicht
Vielleicht kennst du das: Du versuchst, dein Nervensystem zu „beruhigen“. Du machst Atemübungen, meditierst, hörst Musik, gehst spazieren. Und trotzdem fühlst du dich irgendwie daneben – leer, überfordert oder wie abgeschnitten.
Das liegt nicht an dir. Viele Methoden funktionieren nur dann, wenn dein Nervensystem bereits in einem bestimmten Zustand ist. Wenn du aber im Überlebensmodus bist, in einem inneren Alarmzustand oder funktional abgespalten, dann hilft dir kein Bodyscan weiter. Du brauchst einen anderen Zugangspunkt.
Der erste Schritt: Sicherheit im Körper finden
Bevor dein Nervensystem sich regulieren kann, muss es spüren:
🤍 Ich bin sicher.
🤍 Ich darf jetzt hier sein.
🤍 Ich muss nichts leisten, nichts beweisen.
In meiner Arbeit mit sensiblen und neurodivergenten Frauen (z. B. mit ADHS, HSP oder autistischen Mustern) ist das der zentrale Punkt: Nicht Disziplin, sondern Verkörperung.
Denn Regulation entsteht nicht im Kopf. Sie beginnt im Körper: über Atmung, Haltung, Mimik, Bewegung, Verbindung.
Und vor allem: über das, was du weglassen darfst. Den inneren Antreiber. Die ständige Wachsamkeit. Den Druck, etwas „richtig“ zu machen.
Was wirklich hilft (aus meiner Erfahrung & Praxis)
Hier einige konkrete Elemente, die ich selbst nutze und mit meinen Klientinnen erarbeite:
1. Verkörperte Selbstwahrnehmung statt Kopfanalyse
Nicht: „Warum fühle ich mich so?“
Sondern: „Was spüre ich gerade im Körper und wo?“
Oft zeigt sich Stress zuerst als Enge, Druck, Zittern oder Taubheit.
2. Co-Regulation statt „Ich muss das allein schaffen“
Unser Nervensystem ist sozial. Es reguliert sich durch Blickkontakt, Stimme, Nähe, Verbindung. Ein sicherer Mensch – oder auch ein Tier – kann viel bewirken.
→ Mehr dazu in meinem Artikel über Co-Regulation.
3. Kleine Impulse – regelmäßig statt heroisch
Lieber jeden Tag 2 Minuten Nervensystempflege (z. B. ein Zittern, ein Ton, ein bewusster Atemzug) als einmal pro Woche eine riesige Entspannungsübung, die überfordert.
4. Langsamkeit als Entscheidung
Viele dysregulierte Menschen (besonders neurodivergente) hetzen innerlich, selbst wenn sie äußerlich langsam sind. Erlaube dir, bewusst langsam zu tun: essen, gehen, atmen, reagieren.
5. Nicht nur regulieren – auch entladen
In manchen Fällen ist Regulation zu wenig, es braucht eine Entladung alter Spannungsenergie. Z. B. durch gezieltes Zittern, Bewegung, Stimmarbeit oder Körperreisen.
Auch Hypnose kann hier unterstützend sein, wenn sie körperorientiert eingebettet ist.
Und wenn das alles nicht hilft?
Dann brauchst du vielleicht eine individuelle Begleitung, die dein System wirklich sieht. Viele meiner Klientinnen sind nicht „zu sensibel“ oder „nicht diszipliniert genug“, sie haben einfach ein Nervensystem, das mehr Schutzstrategien entwickelt hat als andere.
In meiner Arbeit geht es nicht darum, dich zu reparieren, sondern dich mit deinem System vertraut zu machen. Denn nur was du verstehst, kannst du auch beeinflussen. Und nur was du spürst, kannst du verändern.
Regulation ist kein Zustand, sondern eine Beziehung
Eine Beziehung zu dir selbst. Zu deinem Körper. Zu deiner Geschichte.
Und diese Beziehung darf neu aufgebaut werden – langsam, neugierig, ohne Druck. Nicht durch Selbstoptimierung, sondern durch echtes Spüren.
Du willst mehr erfahren?
Auf meinem Blog findest du viele Artikel rund um das Thema Regulation, Neurodivergenz und körperbasierte Veränderung.
→ Vielleicht ist besonders dieser Artikel spannend für dich: "Veränderung heißt nicht: Wie mache ich alles wie vorher – nur ohne Symptome?"
Oder schau dich auf meiner Website um: www.ninapayer.de

